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Verjüngung durch Korneotherapie

 

Die Korneotherapie ist auf die Gesunderhaltung des Stratum corneum, also der Hornschicht und ihrer Barrierefunktion, fokussiert. Ihre Bedeutung für die gesamte Haut und die Prävention ihrer vorzeitigen Alterung wurde erst im Lauf der vergangenen Jahre deutlich. Was die Korneotherapie bei der Hautverjüngung leisten kann, schauen wir uns hier genauer an.

 

Genau 25 Jahre ist es her, dass die Korneotherapie (engl.: Corneotherapy) zum ersten Mal in einer wissenschaftlichen Publikation1 erwähnt und später von anderen Autoren2,3,4 aufgegriffen wurde. Der Begriff geht ursprünglich auf den amerikanischen Dermatologen Prof. Albert M. Kligman5 zurück. 
Der Korneotherapie liegt ein sehr einfaches Prinzip zugrunde: Geht es dem Stratum corneum gut, geht es im Allgemeinen auch der gesamten Haut und den damit vernetzten Körperfunktionen gut. Umgekehrt: Ist das Stratum corneum nicht intakt, also geschädigt, ist mit Problemen der Haut und des Körpers zu rechnen.

Gute Kenntnisse

Was sich so einfach anhört, ist im Detail komplizierter, setzt die Korneotherapie doch Kenntnisse der Hautstruktur und ihrer Funktionen – auch als Korneobiologie (engl.: Corneobiology6) bezeichnet – sowie der Dermatologie und der physiologischen Hautpflege voraus. Darum haben sich in der Vergangenheit weder die Pharmazie mit ihren topischen Salben, noch die Hautpflege mit Cremes & Co wirklich gekümmert – ging es bei den Präparaten doch hauptsächlich um die technische Perfektion. Deutlich lässt sich das an den Rezepturen des DAC/NRF (Deutscher Arzneimittel Codex/Neues Rezeptur-Formularium)7 ablesen. Sie dienen den Apotheken zur Herstellung unter anderem auch topischer Präparate vor Ort. 
Ebenso wie bei Kosmetika haben bei Apothekenrezepturen physikalische und mikrobiologische Stabilität sowie die Verfügbarkeit der eingesetzten Wirkstoffe Priorität. Aus Sicht der Hersteller und des Handels verständlich, aber in der Konsequenz nicht immer im Einklang mit den physiologischen "Bedürfnissen" des Stratum corneum. 

Kontraproduktives: Was der Hautbarriere nicht guttut

Hilfsstoffe (engl.: Excipients) spielen eine besondere Rolle:

  • Längst hat sich herausgestellt, dass Konservierungsstoffe der Hautflora alias Hautmikrobiom nicht gut bekommen und neben ihrem Allergiepotenzial auch Resistenzen erzeugen.
  • Hohe Konzentrationen an Paraffinen in pharmazeutischen Präparaten führen zwar zu der erwünschten Resorption von Arzneistoffen und in der Kosmetik zur Hautquellung mit temporärer Faltenreduzierung, aus Sicht der Hautphysiologie aber zu einer verlangsamten endogenen Hautregeneration.
  • Emulgatoren dienen der Stabilisierung von lipophilen Wirkstoffen und Fettstoffen in einer Wasserphase (O/W-Emulsion) oder umgekehrt der Dispergierung einer wässrigen Phase mit hydrophilen Wirkstoffen in einer Ölphase (W/O-Emulsion). Auf die Haut appliziert, üben sie dort die gleiche störende Funktion aus, d. h. sie emulgieren Bestandteile des Stratum corneums und beschädigen so dessen originäre Struktur, insbesondere die lamellaren Lipiddoppelschichten alias Bilayer der Hautbarriere. Mehr noch: Wenn sie in der Haut nicht verstoffwechselt, also biologisch nicht abgebaut werden, was überwiegend der Fall ist, dispergieren sie Hautbestandteile und transportieren sie bei der nächsten Hautreinigung aus der Haut heraus und hinterlassen eine gestörte Hautbarriere. 

Auch andere Hilfsstoffe, die in topischen Formulierungen gang und gäbe sind, wirken sich physiologisch nachteilig aus.8

Inside-out

Bei topischen Arzneipräparaten gegen degenerative, entzündliche oder etwa von Mikroorganismen ausgelöste Hauterkrankungen erledigen pharmazeutische, aber auch kosmetische Wirkstoffe als solche in hervorragender Weise ihre Arbeit. 
Die Regeneration der Hautbarriere bleibt allerdings aufgrund der Hilfsstoffe meist auf der Strecke. Nach Absetzen der Präparate folgt dann schon nach kurzer Zeit das Rezidiv und ein Kreislauf kommt in Gang. Bei den mit Abstand am häufigsten verwendeten Kortikoiden, entsteht darüber hinaus ein weiteres Problem, nämlich, dass sich die Hautstruktur dauerhaft verändert und durchlässiger für unerwünschte Gäste wie Allergene und pathogene Mikroorganismen wird. Zu letzteren gehören auch solche, die Teil der hauteigenen Mikroflora sind, sich aber erst unter diesen Bedingungen wohlfühlen und fakultativ pathogen werden.  
Aus dem Blickwinkel der Korneotherapie bezeichnet man die Funktionsweise der Wirkstoffe in dieser Vorgehensweise als "Inside-out", d. h. der Wirkstoff dringt in die Epidermis ein ("inside") und wirkt dort z. B. gegen die Auslöser von Entzündungen. Ob sekundär die Hautbarriere ("out") davon profitiert, ist wünschenswert, aber aufgrund der Hilfsstoffe fraglich.

Outside-in

Kligman entwickelte die These, nach der allein die Sanierung eines gestörten Stratum corneum viele Auslöser im Inneren neutralisiert ("Outside-in") und vor allem ihr erneutes Eindringen von außen durch eine intakte Barriere präventiv verhindert. Dabei hatte die Wiederherstellung der Hautfeuchte mittels Moisturizer Priorität. Zuweilen sprach er selbst despektierlich von der Wasserdermatologie, deren Wirksamkeit er anhand atopischer Haut nachweisen konnte. 
Der springende Punkt war es, dass klinisch signifikante Ergebnisse durch einfache Stoffe eintraten, wie sie auch in der Hautpflege verwendet werden.
"Outside-in" hat jedoch gegenüber "Inside-out" den Nachteil, bei akuten Indikationen, wie einer Entzündung, nur präventiv oder gegebenenfalls erst in einem längeren Zeitraum zu wirken – ein Umstand, mit dem sich viele Patienten nur schwer anfreunden können. Allerdings liegt der Vorteil der Geduldsprobe auf der Hand. Man kann letztendlich auf Arzneistoffe, die in der Regel Nebenwirkungen verursachen, verzichten.

Optimierung

In einer Parallelentwicklung zur Korneotherapie entstanden wirkstofffreie Basiscremes, die physikalisch und chemisch der Hautbarriere nachempfunden sind. Sie ermöglichen es, neben der Hautfeuchte auch die Hautbarriere in physiologischer Form nachzubilden und bei Schäden zu ergänzen. 
Was zunächst nur als eine Optimierung des Kligman'schen Ansatzes aussah, erwies sich bei der Rezeptierung von Wirkstoffen als Vorteil. Die Wirkstoffe können zusammen mit einer lamellaren Basiscreme appliziert werden, die einerseits für die hohe Verfügbarkeit der Wirkstoffe sorgt, andererseits die Barriere in physiologischer Weise unterstützt. 
Zu erwähnen ist, dass sich der Wissensstand über die epidermale Barriere in dieser Zeit enorm erweitert hat.9 Auch die Bedeutung der Hautfeuchte und des NMF (Natural Moisturizing Factor) hinsichtlich freier Radikale wurde erst an anderer Stelle deutlich.10
Eine weitere Entwicklung, die bereits in den 1980iger Jahren in vollem Gange war, war die Liposomentechnik11, die ebenfalls auf einer lamellaren, in diesem Fall aber kugelförmigen Struktur beruht und natürliche Zellmembranen nachstellt. 
Liposomen enthalten wie die menschlichen Zellen Phosphatidylcholin und haben die Eigenschaft, aufgrund der verwandten Bilayer-Struktur besonders leicht mit den Lipiddoppelschichten der Hautbarriere zu fusionieren und sie durchlässig für Wirkstoffe zu machen. 
Die Erhöhung der Durchlässigkeit basiert auf dem hohen Anteil von chemisch gebundenen essenziellen Fettsäuren im Phosphatidylcholin, das aus der Soja- oder Sonnenblumenöl-Gewinnung stammt. Die gegenwärtig kursierenden pflanzlichen Exosomen sind im Übrigen analog aufgebaut.

Erweiterte Korneotherapie

Mit Liposomen wurde es möglich, die epidermale Barriere für den Transport von Wirkstoffen zu öffnen, deren Penetration zu verstärken und die Barriere nach erfolgter Passage mit lamellaren Cremes wieder physiologisch zu schließen. Die Vorgehensweise nennt man mittlerweile "erweiterte Korneotherapie" (engl.: Extended corneotherapy).12
Während in liposomalen Präparaten eher hydrophile Wirkstoffe dominieren, sind es in Phosphatidylcholin-basierten Nanodispersionen lipophile Wirkstoffe. Das Öffnungsprinzip ist analog allein von der Konzentration des nativen Phosphatidylcholins abhängig.

Anti-Aging

Wenn man davon ausgeht, dass präventives Anti-Aging einerseits auf der Vermeidung dermaler Schäden, der Reparatur von Schäden und andererseits auf der hohen Verfügbarkeit physiologischer Wirkstoffe beruht, dann ist der Beitrag der Korneotherapie beachtlich:

  • Die dermale Eigenregeneration wird nicht beeinträchtigt.
  • Die Kooperation von Epidermis und Mikrobiom bleibt unberührt.
  • Topische Präparate enthalten physiologisch kompatible Zusammensetzungen.
  • Hilfsstoffe entfallen und Wirkstoffe werden in wünschenswert niedriger Dosierung maximal wirksam.
  • Topische Arzneimittel lassen sich während einer adjuvanten Korneotherapie, d. h. indikationsbegleitenden physiologischen Hautpflege, reduzieren oder ganz eliminieren.

Literatur

  1. Tabata N, O'Goshi K, Zhen YX, Kligman AM, Tagami H, Biophysical assessment of persistent effects of moisturizers after their daily Applications: Evaluation of Corneotherapy, Dermatology 2000 (200), 308-313
  2. Lübbe J, Evidence-Based Corneotherapy, Dermatology 2000 (200), 285-286
  3. Suvorova K, Korneotherapie der Hautkrankheiten, die von der Störung der Epidermis begleitet werden (in Russisch), Les Nouvelles Esthétiques (Russische Version) 2004 (4), 28
  4. Keck C M, Corneotherapie – Pflege und Reparatur der Haut: präzise, effektiv und nachhaltig, J Ästhet Chir 2020 (13), 132–142
  5. https://en.wikipedia.org/wiki/Albert_Kligman
  6. Kligman A M, Corneobiology and Corneotherapy – a final chapter, International Journal of Cosmetic Science 2011 (33), 197-209
  7. https://dacnrf.pharmazeutische-zeitung.de
  8. Lautenschläger H, Komplexbildner & Co – ambivalente Ingredienzien in der Kosmetik, Beauty Forum medical 2019 (6), 14-17
  9. Lundborg M, Narangifard A, Wennberg CL, Lindahl E, Daneholt B, Norlén L, Human skin barrier structure and function analyzed by cryo-EM and molecular dynamics simulation, J Struct Biol 2018 (203), 149–161
  10. Dröge W, Free Radicals in the Physiological Control of Cell Function, Physiol Rev 2002 (82), 47-95
  11. Lautenschläger H, Liposomes, Handbook of Cosmetic Science and Technology (Hrsg.: Barel A O, Paye M und Maibach HI), S. 155-163, CRC Press, Boca Raton 2006
  12. Lautenschläger H, Corneotherapy – Link between dermatology and cosmetics, Deutscher Apotheker Verlag 2023, ISBN 978-3-7692-8132-3

Dr. Hans Lautenschläger

 


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veröffentlicht in
Beauty Forum
2025 (6), 87-89

 
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