Hautpflegeprodukte werden zum Teil großflächig als Körperlotionen aufgetragen und nehmen nicht unerhebliche Mengen der Begleitstoffe von Ölen und Extrakten auf. Unverträglichkeiten treten daher schnell in Form sichtbarer Irritationen oder allergischer Reaktionen in Erscheinung.
Der typische Fall eines Begleitstoffes ist die Salicylsäure, die über pflanzliche Komponenten, insbesondere Extrakte, in die Produkte gelangt oder als synthetischer Stoff oftmals auch gezielt eingesetzt wird.
Naturapotheke
In der Volksmedizin war Salicylsäure eine der ersten Verbindungen, die man aus der Naturapotheke kannte. Als Acetylsalicylsäure (ASS) wird sie als freiverkäufliches Arzneimittel heute weltweit in großen Mengen eingesetzt.
Intoleranz
Neben möglichen allergischen Reaktionen, wie sie von vielen Naturstoffen auf empfindlicher Haut ausgelöst werden können, dominiert bei der Salicylsäure eher eine Intoleranz, die auf ihre phenolische Struktur und ihre saure Reaktion zurückzuführen und mit der Wirkung von ASS nicht vergleichbar ist.1 Die Intoleranz äußert sich dermal beispielsweise durch Juckreiz und/oder Rötungen. Physiologisch stellt Salicylsäure in den Mengen, die in Lebensmitteln und Kosmetika enthaltenen sind, kein Problem dar. Sie wird innerhalb weniger Stunden durch Konjugation, der eine Oxidation vorausgehen kann (Leber), durch die Niere ausgeschieden.
Konservierungs- und Wirkstoff
Gezielt eingesetzt werden Salicylsäure, deren Salze (Salicylate) und Ester wie Salicylsäurebenzylester in Kosmetika zu unterschiedlichen Zwecken:
- Konservierungsstoff – aufgrund der phenolischen Struktur und der Säuregruppe
- Entzündungshemmung, z. B. bei Akne – durch die keimhemmende Wirkung
- Peeling – durch die keratolytische Aktivität
- Duftstoff – im Falle von Salicylsäurebenzylester
Natürlicher Bestandteil
Die Begleitmengen in Lebensmitteln variieren von nahezu 0% bis etwa 0,02% bei frischem Obst und Gemüse. Gefriergetrocknete Lebensmittel inklusive wasserfreie Gewürze können bis etwa 0,2% Salicylsäure enthalten. Diese Gehalte werden naturgemäß weder in Lebensmitteln noch in Kosmetika (z. B. bei Verwendung von Pflanzenextrakten) deklariert. Mitunter resultiert daraus ein Geschäftsmodell, indem Produkte "frei von Salicylsäure" angeboten werden. Bei näherem Hinsehen findet man darunter Präparate, die aufgrund der Zusammensetzung gar keine Salicylsäure enthalten können.
Kosmetikverordnung
Die Europäische Kosmetikverordnung schränkt die Dosierung der als freie Säure berechneten Salicylsäure auf maximal 2% ein, wenn sie als Wirkstoff verwendet wird. Insbesondere wegen der potentiell großflächigen Verwendung auf dem ganzen Körper sind bei Körperlotionen allerdings nur 0,5% zugelassen. Gleiches gilt für Produkte wie Lippenstifte, deren Bestandteile z. T. oral aufgenommen werden, sowie für Deodorants und Produkte rund um das Auge.2 Eine Ausnahme mit max. 3% bilden Haarbehandlungsmittel, die ausgespült werden. Sofern Salicylsäure nur der Konservierung dient, ist eine Dosierung von maximal 0,5% erlaubt.3 Die Verwendung bei Kindern unter 3 Jahren ist ganz verboten. Gleiches gilt für Mundspülungen und Zahnbehandlungsmittel.
Höher dosierte Salicylsäure findet sich in Medizinprodukten und dermalen Arzneimitteln, die nicht der Kosmetikverordnung unterliegen, wenn mit ihrer Hilfe Warzen o. ä. keratolytisch entfernt werden.
dermaviduals® Präparate
enthalten jeweils 0,5% Salicylsäure zur punktuellen Anwendung bei unreiner Haut und zur unterstützenden Prävention von Akne. Die Produkte können während der Schwangerschaft ohne Einschränkung angewandt werden.
Literatur
- B. Rosenkranz et al., Effects of salicylic and acetylsalicylic acid alone and in combination on platelet aggregation and prostanoid synthesis in man, Br. J. clin. Pharm. (1986), 21, 309-317
- Anhang III der Kosmetikverordnung (KVO): Liste der Stoffe, die kosmetische Mittel nur unter Einhaltung der angegebenen Einschränkungen enthalten dürfen
- Anhang V der Kosmetikverordnung (KVO): Liste der in kosmetischen Mitteln zugelassenen Konservierungsstoffe
Dr. Hans Lautenschläger
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