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  Nachgefragt: Was hilft? Wirkstoffeinsatz bei übermäßigem Schwitzen
 

Wer von Hyperhidrose betroffen ist, hat mit Sicherheit den ein oder anderen Wirkstoff bereits ausprobiert. Unter anderem darüber, welche Helfer aus der Natur kommen und was es mit aluminiumfreien Deos auf sich hat, haben wir mit Dr. Hans Lautenschläger gesprochen.

 

Beauty Forum: Was ist der Unterschied zwischen Antitranspiranten und Deodoranten?

Dr. Hans Lautenschläger: Bei Deodoranten (Deos) genannt - steht die Unterbindung von Körpergerüchen, insbesondere im Achselbereich im Vordergrund. Da Körpergerüche mit der Schweißbildung und der Tätigkeit von Bakterien zusammenhängen, enthalten Deos neben geruchsneutralisierenden Wirkstoffen auch schweißhemmende und bakterizide Komponenten.

Dagegen konzentrieren sich Antitranspiranten hauptsächlich auf die Hemmung einer durch Wärme, Bewegung oder Hyperhidrose gesteigerten Schweißbildung. Durch ihre Anwendung wird naturgemäß auch der Körpergeruch reduziert

Was sind die jeweiligen Inhalts- bzw. Wirkstoffe?

Schweißhemmend sind Substanzen, die zusammenziehend (adstringierend) wirken oder oberflächlich mit körpereigenen Proteinen reagieren und sie denaturieren. Das gleiche passiert mit den Proteinstrukturen von Bakterien, Daher haben die Wirkstoffe in der Regel auch bakterizide oder antiseptische Eigenschaften:

  • Aluminium Chlorohydrate: ist ein sehr starkes Adstringens und zeichnet sich durch einen sehr niedrigen pH aus, der bei hohen Dosierungen die Haut reizen kann. Aluminiumsalze besitzen bakterizide Eigenschaften und können zum Teil auch geruchsaktive Stoffe chemisch binden.
  • Tannine: Die aus pflanzlichen oder synthetischen Quellen stammenden Gerbstoffe kondensieren mit Proteinen und bilden komplexe Makromoleküle. Typisch sind Birken- und Eichenrindeextrakte sowie Gallussäure und deren Derivate. Nachteilig kann ihre dunkle Farbe sein. Auch andere Extrakte wie Hamamelis enthalten adstringierende Tannine.
  • Hexamethylentetramin alias Methenamine (INCI): Die antimikrobiell und antiseptische Wirkung resultiert aus der Abspaltung von Formaldehyd im sauren Milieu der Haut. Der entstehende Formaldehyd reagiert mit Proteinen.

Keimhemmende oder bakterizide Komponenten:

  • Farnesol
  • Glycerinester wie Glycerinmonolaurat und Diglycerinmonocaprinat
  • Alkohol
  • Quartäre Ammoniumsalze
  • Elementares (Nano-)Silber oder Silberverbindungen wie Silberchlorid
  • Chlorphenol-Derivate wie Triclosan und 2,2'-Methylenebis(3,4,6-trichlorophenol) alias Hexachlordihydroxydiphenylmethan
  • Konservierungsstoffe des Anhangs der Kosmetikverordnung (KVO)

Alkohol ist in hohen Konzentrationen auf Dauer weniger gut geeignet, vor allem wenn er mit dem Weichmacher Diethylphthalat (INCI: Alcohol Denat.) vergällt ist. Die Chlorphenole und Konservierungsstoffe der KVO besitzen ausnahmslos ein allergenes Potenzial

Geruchsüberdeckende oder -neutralisierende Komponenten sind:

  • Ätherische Öle
  • Synthetische Duftstoffe
  • Geruchsabsorbierende Stoffe wie Zinkricinoleat
  • Stoffe, die schweiß- und fettabbauende Enzyme der Bakterien inhibieren. Beispiel Triethyl Citrate (INCI)

Ätherische Öle enthalten meist allergene Bestandteile, die durch die zusätzliche Deklaration in der INCI auffallen. Manche Bestandteile der ätherischen Öle sind auch antimikrobiell wirksam.

Wie wirkt Aluminiumchlorid?

Nach wie vor ist Aluminiumchlorid-Hydrat (INCI: Aluminium Chlorohydrate) der wichtigste und wirksamste Wirkstoff. Er reagiert mit Mucopolysacchariden und Proteinen und verschließt wie ein Pfropf die ekkrinen Drüsenausgänge. Je höher die Konzentration und je niedriger der pH der Präparate sind, umso effektiver sind sie; allerdings steigt damit auch die Gefahr von Reizungen. Die Präparate werden am besten längere Zeit im Voraus appliziert, denn im akuten Fall sind sie wenig wirksam, da der dann bereits reichlich in Gang befindliche starke Schweißfluss ein Eindringen des Wirkstoffs in die Drüsenausgänge verhindert. Die anfänglich tägliche Applikation kann Schritt für Schritt bis auf eine wöchentliche Einmalapplikation reduziert werden. Vielfach lässt sich das Behandlungsintervall sogar noch weiter ausdehnen.

Wieso werden zurzeit in der Werbung häufig "aluminiumfreie Deos" angepriesen?

Auf dem Deo-Markt wird geworben, weil angeblich das Risiko, an Alzheimer und Brustkrebs (bei Frauen) zu erkranken, durch die Aufnahme von Aluminium steigt. Auch in den Medien wurde diese Problematik aufgegriffen1) und immer wieder diskutiert.

Der Ersatzstoff Alaun (INCI: Potassium Aluminium Sulfate oder Potassium Alum) ist wie Aluminium Chlorohydrate zu bewerten. Die Werbung "0% Aluminium Chlorohydrate" suggeriert dem Verbraucher in diesem Fall ein Produkt, das frei von Aluminium ist, was aber nicht zutreffend ist. Dies ist unlauterer Wettbewerb.

Wie schätzen Sie die angebliche Gefahr ein?

Für die genannten Annahmen gibt es nach wie vor keine stichhaltigen Beweise. Die vorliegenden Studien widersprechen sich.2) Für Menschen mit Hyperhidrose, stellt sich die Alternative "mit" oder "ohne" m. E. nicht, da alternative Deos ohne Aluminium Chlorohydrate in der Regel nicht über eine ausreichende Wirksamkeit verfügen. Das BfR (Bundesinstituts für Risikobewertung) empfiehlt, Aluminium-Chlorohydrate-haltige Produkte nicht unmittelbar nach der Rasur bzw. auf geschädigter Achselhaut zu verwenden, um die individuelle Aluminiumaufnahme zu reduzieren.2)

Kann ein aluminiumfreies Deo die gleiche Wirkung erzielen wie eines mit Aluminium Chlorohydrate?

Wenn es hauptsächlich um Körpergeruch geht, ist dies ohne weiteres möglich. Jemand, der unter Hyperhidrose leidet, wird allerdings auf Gerbstoffe oder besser Aluminium Chlorohydrate zurückgreifen müssen, wenn er sich nicht für Pharmaka (siehe unten) oder alternative Methoden wie Iontophorese oder chirurgische Maßnahmen entscheidet.

Welche Wirkstoffe können sonst noch zur Schweiß- bzw. Geruchshemmung eingesetzt werden?

Salbeiextrakt ist gerbstoffhaltig und adstringierend, doch die schweißdämpfende Wirkung beruht noch auf weiteren Komponenten. Er ist als Tee und in Deos hilfreich, hat aber bei einer ausgeprägten Hyperhidrose keine durchschlagende Wirkung. Beruhigende und sedierende Effekte bei psychogenen Schweißausbrüchen zeigen Baldrian- und Johanniskrautpräparate; medikamentös sind diesbezüglich stärker wirksame Psychopharmaka und Sedativa im Einsatz.
Da die Schweißbildung durch den Botenstoff Acetylcholin gesteuert wird, werden pharmazeutisch Anticholinergika wie Glykopyrroniumbromid (freie Base: Glykopyrrolat), Methantheliniumbromid und Bornaprin für die perorale Anwendung (Glykopyrroniumbromid auch topisch) verordnet. Die Resultate werden von Experten unterschiedlich beurteilt.


Literatur

  1. Die Akte Aluminium, TV-Film von Bert Ehgartner
  2. Stellungnahme Nr. 007/2014 des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), vom 26. Februar 2014

 

Dr. Hans Lautenschläger

 
Bitte beachten Sie: Die Publikation stellt den Wissensstand zum Zeitpunkt des Erscheinens der Fachzeitschrift dar.

Bitte teilen Sie uns über koko@dermaviduals.de mit, wenn Sie auf dieser Seite einen Druck- oder sachlichen Fehler gefunden haben.

© Copyright Kosmetik Konzept KOKO GmbH & Co.KG, Leichlingen, www.dermaviduals.de
Revision: 25.12.2015
 
 
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veröffentlicht in
Beauty Forum
2015 (6), 58-60

 
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