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Strahlend schöne Lippen: Lippenpflege - Inhaltsstoffe & Wirkung

 

Die Lippen haben zusammen mit den Augenpartien die stärkste Ausstrahlung und dementsprechend wird der Pflege besonders hohe Aufmerksamkeit geschenkt. Da der Lippenbereich von Natur aus ganz andere Eigenschaften als die übrige Gesichtshaut hat, gibt es in der kosmetischen Gesichtsbehandlung für die Lippenpflege ganz spezielle Präparate. Wie sind sie zusammengesetzt und wie wirken sie?

 

Die Haut der Lippen ist verglichen mit der übrigen Haut sehr dünn. Die geringe Anzahl von Barriereschichten lässt die Blutgefäße durchscheinen - daher kommt die rötliche Farbe der Lippen. Wegen der hohen Zahl der Nerven-Enden ist die Lippenhaut sehr empfindsam und gehört zu den erogenen Zonen des Körpers. Die Lippenhaut hat weder Talg- noch Schweißdrüsen und ist im Gegensatz zur übrigen Haut haarlos. Sie wird dadurch leichter trocken und spröde. Bei der Pflege müssen daher umso mehr die Integrität und die Regeneration der wenigen Barriereschichten im Vordergrund stehen.

Hauptziel: Regeneration

Dem Gesichtspunkt der Regeneration widersprechen die älteren Konzepte zur Lippenpflege. Darin dominieren mineralische und synthetische Kohlenwasserstoffe (KW). Diese schützen zwar nach dem Auftragen gegen weitere Austrocknung, führen aber nach einer gewissen Zeit zu einer Gewöhnung, d.h. an den eigentlich trockenen Lippen ändert sich nichts, im Gegenteil: Die Eigenregenerationsfähigkeit nimmt ab. Es werden immer weniger hauteigene Barrierestoffe gebildet. Eine Übersicht über diese Zusammenhänge erschien kürzlich in der Zeitschrift BEAUTY FORUM (03/2008) unter dem Titel "Öle und Fette in kosmetischen Produkten - Natur contra Petrochemie?".
Ein weiterer Kritikpunkt an KW-Rezepturen: Ein großer Teil der Pflegepräparate, insbesondere auch der Lippenstifte, wird unbewusst verschluckt. Ob die orale Aufnahme von Kohlenwasserstoffen mit Risiken behaftet ist, ist bis heute nicht abschließend geklärt.

Lippencremes & Oleogele

Die Verträglichkeit und vor allem die Langzeitwirkung sind also bei der Lippenpflege von besonderer Bedeutung. Ob die Stoffe natürlichen oder synthetischen Ursprungs sind, spielt dabei weniger eine Rolle. Der springende Punkt ist: sie sollten physiologisch sein. Daher müssen neben den Kohlenwasserstoffen weitere Stoffe wie Silikonöle, Konservierungsmittel (Allergiepotential) und Emulgatoren (Auswasch-Effekt) kritisch betrachtet werden. Bei vielen Pflegeprodukten, die wasserfrei sind, treten allerdings Probleme mit den beiden letzten Stoffklassen nicht auf, denn wasserfreie Produkte benötigen weder Konservierungsstoffe noch Emulgatoren.
Mineralöle und Silikone sind nach wie vor in vielen Produkten enthalten. Sie machen die Lippen geschmeidig und sorgen für den Glanz. Alternativprodukte enthalten pflanzliche oder synthetische Triglyceride, die der Körper ähnlich wie ein Speiseöl verstoffwechseln kann. Ihr Vorteil, dass sie auch von der Hautbarriere resorbiert werden, ist gleichzeitig auch ihr Nachteil. Es muss immer wieder nachgecremt werden.
Ein Kompromiss sind halbfeste pflanzliche Wachse und Wachsöle wie Sheabutter und Jojobaöl, aber auch gehärtete Pflanzenöle wie z. B. Olivenbutter (aus Olivenöl). Sie werden mittels Rizinusöl oder Trihydroxystearat, das praktisch hydriertem Rizinusöl entspricht, auf der Lippenoberfläche fixiert. Rizinusöl-haltige Stoffkombinationen können auch Pigmente binden, d.h. sie eignen sich zur Herstellung von getönten Lippencremes und stellen somit eine Alternative zu Lippenstiften dar. Die Verdickung bei den wasserfreien Varianten (Oleogele) erfolgt häufig durch Fettsäuresalze wie z. B. Zinkstearat und Magnesiumstearat, wobei zuweilen winzige Mengen an Wasser beim Aufbau der Konsistenz sehr hilfreich sind.
Pigmentfreie Versionen lassen sich vor allem für den langfristigen Lippenschutz nutzen, wenn zusätzlich Phosphatidylcholin (PC) zugesetzt wird. Vorteilhaft ist, dass PC das protektiv wirkende Cholin liefert und die für die Synthese des barriereaktiven Ceramid I notwendige Linolsäure enthält und transportiert. Nachteilig ist, dass PC auch die Resorption der optisch vorteilhaften Fettstoffe (s. u.) beschleunigt.

Lipgloss für die Ausstrahlung

Unter Lipgloss versteht man Präparate, die neben der Fettung Feuchtigkeit spenden und durch einen stärkeren Glanz- und Glitzereffekt, z. B. durch Perlglanzpigmente, die Lippen optisch feuchter erscheinen lassen. Der feuchte Schimmer auf den Lippen, der in der Hauptsache durch Öle wie Triglyceride, Esteröle, Squalan, PAO's (synthetische Kohlenwasserstoffe) und Silikone erzeugt wird, betont die erotische Ausstrahlung. Weitere Bestandteile sind Wachse wie Bienenwachs oder deren synthetische Derivate. Repräsentativ für spreitende Zusätze ist z. B. Isopropylisostearat.
Als feuchtigkeitsbindende Ingredienzien werden Kollagen-Präparate und entsprechende pflanzliche Proteinersatzstoffe, Proteinhydrolysate (z. B. aus Weizenproteinen), Aloe- und Quittenschleime sowie Dextrine und Weizenstärke eingesetzt. Die Farbeinstellung kann von transparent über durchschimmernd bis zu deckend variieren. Viele Produkte enthalten auch wundheilende und entzündungshemmende Wirkstoffe wie z. B. Echinacea, Kamille, Bisabolol, Calendula, Vitamin E und Panthenol. Feuchtigkeitsspendende Filme lassen die Lippen voller und attraktiver erscheinen. Für "geschmackvolle" Varianten können auch Aromen verarbeitet werden.
Lippencremes werden in Tiegeln und Tuben angeboten, während Lipgloss als Lippenstiftersatz auch mit Drehstift oder integriertem Pinsel aufgetragen wird.

UV-Schutz auch für die Lippen

Wichtig ist der UV-Schutz der Lippenpräparate, da die Lippen besonders exponiert und strahlungsempfindlich sind. Allein schon die Pigmente erzeugen je nach Konzentration eine Filterwirkung zwischen Faktor SPF 1 und SPF 4. Häufig werden jedoch spezielle Filtersubstanzen zugemischt wie z. B. mikronisiertes, d. h. farbloses Titandioxid als mineralischer Schutz oder ansonsten chemische Filter. Bei der Auswahl der chemischen Filter muss aber auch die unbeabsichtigte orale Aufnahme berücksichtigt werden. So empfiehlt das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) z. B., aus Gründen des vorsorgenden Verbraucherschutzes 4-Methylbenzylidene Camphor (INCI) bei Lippen(pflege)stiften nicht einzusetzen. In der Regel zeichnen sich Lippenpräparate mit UV-Filtern durch einen sehr hohen Lichtschutz bis zu 50+ aus.

Lippenpflege in Stiftform

Eine wichtige Präparategruppe sind Konturenstifte, die - ähnlich wie Lippenstifte - pflanzliche Wachse wie Carnauba- und Candelillawachs als konsistenzgebende und pigmenttragende Komponenten enthalten. Fettkomponenten sind pflanzliche Triglyceride in nativer und hydrierter Form, Neutralöl (Caprylic/Capric Triglyceride) und Jojobaöl. Für Mineralölbestandteile, die unter anderem auch verwendet werden, gelten die gleichen Überlegungen wie oben. Grundsätzlich unterscheidet sich die Zusammensetzung der Konturenstifte nur durch eine festere Konsistenz und eine höhere Pigmentkonzentration von der der Lippenstifte.
Analog den pigmenthaltigen Lippencremes sind bei Lippenstiften Bestandteile wie Rizinusöl wichtig, die an der Lippenoberfläche haften und so die Pigmente fixieren. Lebensmittel-taugliche Pigmente ermöglichen Rezepturen, die weitgehend frei von Problemstoffen sind und sich auch für empfindliche Lippen eignen. Pigmentfreie Stifte dienen wie die Cremes zur Erhaltung der Hautfeuchte und zum Kälteschutz.
Zu beachten ist der anfangs erwähnte Gewöhnungseffekt bei der Verwendung von Kohlenwasserstoffen (Petrolatum, Paraffinöle, Erdwachse). Physiologische Konzepte ziehen daher langkettige Triglyceride sowie pflanzliche Wachse vor. Die Konsistenz der Stifte wird mit Bienen-, Candelilla- und Carnaubawachs eingestellt.
Spezifische Wirkstoffe in Form von Trockenextrakten können weitere Bestandteile von Lippenpflegestiften sein.

Der Bereich um die Lippen herum

Bei der Pflege der Lippen ist auch der periorale Bereich zu berücksichtigen. Hier kann es durch äußere Einwirkungen (Kosmetika, Speichel) zu Reizungen kommen.
Was ist dann zu beachten?

  • Anfangs keine Cremes: Bei einer akuten perioralen Dermatitis sollte man anfangs ganz auf Hautpflege-Cremes verzichten.
  • Erstpflege: Hier haben sich Behandlungen mit reinen Wirkstoffkonzentraten wie regenerationsförderndem Echinacea-Extrakt und Weihrauch-Nanopartikeln bewährt. Die Weihrauch-Nanopartikel enthalten einen fettlöslichen Extrakt des Weihrauchharzes, der die 5-Lipoxygenase (körpereigenes Enzym) hemmt. Dieses Enzym ist an der Synthese von Stoffen beteiligt, die Entzündungen auslösen. Wird es also gehemmt, klingen Rötungen und Irritationen rasch ab. 
  • Rückkehr zu Cremes: Wenn sich die Hautbarriere von innen her regeneriert hat.

Dr. Hans Lautenschläger

 


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veröffentlicht in
Kosmetische Praxis
2008 (2), 10-11

 
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