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Sensibilisierung und Allergie

Generell kann man zwischen drei verschiedenen Problemgruppen unterscheiden. Da gibt es zum einen die Menschen, die allergisch auf bestimmte Substanzen reagieren. Die Reaktionen äußern sich im harmlosesten Fall durch Hautrötung, Bläschen oder Quaddeln und können sich über Atemnot und Asthma-Anfälle bei Inhalationen bis zu einem anaphylaktischen Schock, z. B. bei Insektenstichen, steigern. Man spricht hier von einer Sensibilisierung oder allergischen Reaktion, die durch eine übersteigerte Immunantwort des Körpers ausgelöst wird. Die Immunantwort ist klinisch einwandfrei nachweisbar. Es gehört allerdings häufig langwieriger detektivischer Spürsinn dazu, die für die Reaktion verantwortlichen Stoffe einerseits zu identifizieren und andererseits aus dem individuellen Leben zu verbannen. Beispiele sind weitverbreitete Konservierungsmittel, bestimmte Duftstoffgruppen, aber auch Lebensmittel wie Haselnüsse oder Soja- und Milch-Eiweiß. Meist bedient man sich eines einfachen Patchtests beim Dermatologen, um festzustellen, welche Stoffe zu unerwünschten Reaktionen führen.

Nicht zu den allergischen Reaktionen gehören dagegen Irritationen, d. h. Unverträglichkeitsreaktionen, die nicht stoffspezifisch sind, sondern durch die Konzentration oder z. B. durch den pH eines Stoffes ausgelöst werden. Beispiele sind Augenbrennen, wenn Salz oder Zwiebeldämpfe in die Augen gelangen, Hautbrennen bei rissiger Haut, wenn Harnstoff (dermatologische Cremes), Säuren oder Laugen auf die Haut kommen. Im Extrem erfolgen Hautablösungen (Keratolyse) oder Verätzungen, wie sie unter anderem auch bei AHA-Säure-Behandlungen vorkommen. Irritationen sind reversibel und haben mit Allergien nichts zu tun.

Empfindliche und kranke Haut

Zur zweiten Problemgruppe gehören Menschen, die von Natur aus durch Vererbung, Stoffwechselstörungen, Enzymdefekte, organische oder psychische Leiden eine besondere Hautbeschaffenheit haben. Ihre Haut ist besonders empfindlich, toleriert nicht jeden Stoff oder jede Stoff-Kombination. Sie gehören zu den geschätzten 5-10% der Bevölkerung, die große Schwierigkeiten mit weitverbreiteten, eher harmlosen Stoffen haben.

Häufig führt bei diesen Menschen eine ungeeignete Hautpflege und vor allem eine übertriebene Hautreinigung zu Problemen. So findet bei der wässrigen Hautreinigung ein Ausschwemmen der hauteigenen, natürlichen Schutzstoffe durch die Einwirkung der in den Reinigungsmitteln enthaltenen Tenside statt. Immer noch weitgehend unbekannt ist, dass unkonventionelle, nichtschäumende Reinigungspräparate ohne rückfettende Substanzen viel schonender sind als schäumende und rückfettende. Bei empfindlicher und zu Störungen neigender Haut hat die Reduzierung von Häufigkeit und Intensität der Hautreinigung die erste Priorität.

Das Ausschwemmen hauteigener Schutzstoffe wird auch durch die in Hautpflegemitteln enthaltenen Emulgatoren, die mit reinigenden Tensiden sehr verwandt sind, gefördert. So hat sich gezeigt, dass vielen Neurodermitikern geholfen werden kann, wenn man ihnen Pflegecremes ohne Emulgatoren zur Verfügung stellt und die Dauer und Häufigkeit von Hautreinigungen verringert werden. So wie Emulgatoren Fettstoffe in die Haut hinein transportieren, werden Fettstoffe und hauteigene Schutzstoffe umgekehrt mittels der gespeicherten Emulgatoren aus der Haut herausgeschwemmt, wenn z. B. ein längerer Kontakt mit Wasser stattfindet. Die Hautbarriere der Neurodermitiker ist dafür besonders anfällig.

Bei empfindlicher Haut sollte grundsätzlich auf alle zusätzlich belastenden Parfümstoffe, Konservierungsmittel, Emulgatoren, Mineralöle und Silikone in Hautpflegemitteln verzichtet werden. Die beiden letztgenannten Stoffgruppen vermindern z. B. die Fähigkeit der Haut, sich selbst zu regenerieren. Zusammenfassend ist festzustellen, dass heute viele Hautprobleme und Hautstörungen bei entsprechend disponierten Menschen erst durch eine ungeeignete Hautpflege und Hygiene ausbrechen oder entstehen. Hautanalyse, individuelle Beratung und Behandlung durch erfahrene Fachkräfte  können in diesen Fällen Wunder bewirken und vielfach die kontraproduktive Abhängigkeit von Cortison-Cremes beenden.

Multiple chemische Sensibilität

Wesentlich komplizierter ist der Sachverhalt bei der dritten Problemgruppe, nämlich Menschen mit multipler chemischer Sensibilität (MCS). Diese Menschen reagieren insbesondere auf Gerüche und Dämpfe von Lösungsmitteln, Farben, Parfümstoffen mit Schwindelanfällen, Konzentrationsverlust, Erschöpfungserscheinungen, Depression, Atemnot, Hautreaktionen, Flush, Augentränen und Schlafstörungen. Die Dauer der Erscheinungen kann von mehreren Stunden bis zu einigen Tagen betragen. Was beim normalen Menschen höchstens ein Kribbeln in der Nase verursacht oder sogar als angenehm empfunden wird (Duftstoffe), beeinträchtigt massiv das tägliche Leben und kann im fortgeschrittenen Stadium zur Schädigung von Organen und chronischen Krankheitsbildern führen. Anders als bei einem Allergiker, lässt sich aber diese Sensibilität, die in der Regel nicht stoffspezifisch ist, klinisch nicht als Immunreaktion nachweisen. Meist versuchen sich die Betroffenen zu schützen, in dem sie die ihnen bekannten Stoffe meiden, z. B. nicht zu öffentlichen Veranstaltungen gehen, weil sie dort Parfümstoffen am stärksten ausgesetzt sind. In Extremfällen werden sogar in der eigenen Wohnung Atemmasken getragen.

Die Unverträglichkeit auf diverse Chemikalien kann sich im Ernährungsbereich fortsetzen, oder z. B. auch bei Arzneimitteln. Es können unter Umständen keine Schmerzmittel eingenommen werden, weil der Magen-Darm-Bereich auf alle Mittel mit Erbrechen, Magenkrämpfen und Durchfall reagiert und jegliche Nahrungsaufnahme verweigert.

Die Ursachen von MCS sind vielfältiger Natur und im einzelnen noch nicht geklärt.

Nicht zur MCS werden Phobien gerechnet. Bei diesen Betroffenen verarbeitet der Körper bestimmte Sinnesreize (Gerüche, Geschmack, Berührungen) und Gefühle, die von anderen Menschen als völlig normal empfunden werden, als Alarmsignal. Die Folge sind unverhältnismäßige Körper- und auch Haut-Reaktionen. Vergleichbare Mechanismen kennt man von Menschen, die unter Platzangst (Agoraphobie) leiden. Bei der Agoraphobie besteht die Reaktion aus Ängsten, die durch die Sinnesorgane Auge und Gehör ausgelöst werden. Auch hier steigert sich die Empfindlichkeit mit der Zeit immer mehr und kann zu einem großen Verlust an Lebensqualität für den einzelnen führen.

Bei den von MCS im engeren Sinne Betroffenen wird dagegen eine direkte Schädigung des Nervensystems durch Chemikalien vermutet. So zeichnet sich MCS häufig durch low-dose-Effekte von unspezifischen Chemikalien aus, die das Immunsystem nicht aktivieren oder ein vorgeschädigtes Immunsystem nicht aktivieren können, aber neurotoxisch wirken können. Die Chemikalien treffen auf ein hypersensitives oder vorgeschädigtes Nervensystem mit starker Rückkopplung, das einen anfangs noch spezifischen Reiz auf sensorisch ähnliche Stoffe überträgt und immer empfindlicher reagiert (engl.: spreading phenomenon).

Eine Reihe von Nervengiften ist in der Lage, Geruchsempfindungen zu invertieren. D. h. diese Stoffe werden, solange sie präsent sind, nur anfangs wahrgenommen; nach ihrer Entfernung treten Empfindungen auf, als wenn sie präsent wären. Allgemein zu Nervengiften gehören unter anderem Chemikalien aus der Gruppe der Ester, Ether, halogenierten, aliphatischen und aromatischen Kohlenwasserstoffe, Alkaloide, Kresylphosphate.

Mit Medikamenten kann man MCS in der Regel höchstens teil- und zeitweise, aber nicht auf Dauer beikommen. Desensibilisierungen, wie man sie von Allergien kennt, sind naturgemäß bei MCS erfolglos.

Im Bereich der Kosmetik und Dermatologie kann diesem Personenkreis nur geholfen werden, indem Präparate ohne Parfümstoffe, Konservierungsmittel und andere potentielle Auslöser zu Verfügung gestellt werden. Da die Forderungen an die Zusammensetzung einer Creme für das einzelne Individuum sehr unterschiedlich sein können, haben sich Baukastensysteme bewährt, die es ermöglichen, gezielt individuell eingestellte Rezepturen herzustellen, die dem betreffenden Hautbild angepasst sind und gut vertragen werden.

Fazit

Dem analytischen Geschick und der Erfahrung des Allgemeinarztes, Dermatologen, Kosmetikinstituts oder Heilpraktikers kommt bei Problemgruppen eine ganz besondere Bedeutung zu. Im Sinne einer ganzheitlichen Behandlung sollte das Gespür vorhanden sein, Hintergründe von Unverträglichkeiten zu identifizieren und ggf. interdisziplinär den Betroffenen eine befriedigende Hilfestellung zu geben. Leider wird die Hilfe von der gegenwärtigen Gesundheitspolitik nicht honoriert, obwohl letztendlich sehr viel Kosten gespart werden könnten. Aber der einzelne Mensch wird es danken.

Dr. Hans Lautenschläger

Bitte beachten Sie: Der vorliegende Beitrag stellt den Wissensstand zum Zeitpunkt des Revisionsdatums dar.

 
 
 
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Revision: 21.08.2011